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Digitale Archivierung bedeutet mehr als «sichere Speicherung» Die «Informationsgesellschaft» erzeugt und verteilt Informationen durch digitale Informations- technologien zwar effizienter, kann sie aber langfristig schwerer bewahren als frühere Generationen.
Das grundsätzliche Ziel der Archivierung ist die Ausführung der Gesamtheit aller nötigen Arbeitsschritte, um Unterlagen auf Grund eines bleibenden Wertes für ein bezeichnetes Publikum
Diese Ziele sind unabhängig vom Informationsträger, und die archivischen Prinzipien der Selektion, Erschliessung, Verstehbarkeit und Benutzbarkeit behalten auch im digitalen Bereich ihre Gültigkeit. Die oben genannten typischen Problemfaktoren digitaler Unterlagen führen jedoch im Vergleich zum Papierbereich zu wesentlichen Unterschieden in der konzeptionellen und technischen Realisierung. Gesetzliche oder regulatorische Randbedingungen bestimmen häufig, ob man von «Archivierung» oder eher «Aufbewahrung» spricht, wobei die oben genannten grundsätzlichen Ziele dieselben sind. Sowohl «Archivierung» wie «Aufbewahrung» kann zeitlich beschränkt oder unbeschränkt erfolgen.
In jedem Fall ist Archivierung eng verknüpft mit der Erzeugung, Verwaltung und Nutzung der Unterlagen: Die in dieser aktiven Lebensphase der Unterlagen durch Records Management hergestellten Qualitätsmerkmale gemäss ISO 15489 — Authentizität, Zuverlässigkeit, Integrität und Benutzbarkeit — können bei der Archivierung nicht nachträglich hergestellt, sondern müssen aus der aktiven Lebensphase der Unterlagen in die Archivierung übernommen und gesichert werden können. Diese Qualitäten des Records Managements müssen jedoch im konkreten Fall für eine Organisation erst durch messbare Anforderungen definiert und anschliessend durch Technologien, Infrastruktur, Organisation und Betriebsabläufe realisiert werden, wie in der folgenden Abbildung angedeutet.
(Vergrössern: auf Bild klicken.) Dabei muss bereits die langfristige Problematik der digitalen Archivierung mit einbezogen werden, damit die Unterlagen später möglichst kostengünstig und ohne Verlust wesentlicher Qualitätsmerkmale archiviert werden können. Daraus ergeben sich die drei zusätzlichen in der Abbildung enthaltenen Charakteristika (langfristige Verstehbarkeit, Originalität und Persistenz), welche in der kurzen aktiven Lebensphase der Unterlagen keine Rolle spielen bzw. einfach «de facto» gegeben sind. Die linke Seite der Abbildung ist so zu verstehen, dass die Charakteristika der Unterlagen zuerst für dasjenige Informationssystem realisiert werden müssen, in welchem die Unterlagen in der aktiven Lebensphase erzeugt, genutzt und verwaltet werden. Die darauf folgende Archivierung kann durch einen Archivteil innerhalb desselben Systems oder in einem separaten Archivsystem erfolgen. In beiden Fällen wird die Archivierung jedoch durch eigene Prozesse, Normen und Technolgien etc. bestimmt, welche besonders die Langfristigkeit der Aufgabe sowie die Tatsache berücksichtigen, dass Archivunterlagen unveränderlich sind (sog. «Fixed Content»). Dagegen werden sich die Prozesse, Normen und Technolgien etc. des Informationssystems für die aktive Lebensphase von Unterlagen rasch ändern, zum Beispiel durch Anpassungen an neue Benutzer- und Geschäftsanforderungen. Doch auch jede Archivlösung ist ein alterndes technisches System, das kaum zehn Jahre ohne wesentliche Änderungen betrieben werden kann. Bereits im Konzept eines Archivsystems muss dessen spätere Ablösung antizipiert werden. Je länger die Zeiträume sind, umso mehr konkurrenzieren sich Charakteristika untereinander. Zum Beispiel kann hohe Originalität durch Beibehaltung proprietärer Originalformate erzielt werden, was aber für die dauerhafte Lesbarkeit später Migrationen erfordert, was dann wiederum den vollständigen Nachweis der Integrität der Archivunterlagen verhindert. Diese wechselseitigen Abhängigkeiten, das Zusammenspiel mit dem Records Management und die überall herrschende technische und technologische Alterung (Obsoleszenz) führen dazu, dass es sich bei digitaler Archivierung nicht primär um eine technische Lösung handelt, sondern um eine Gesamtheit aus Strategien, Methoden, Organisation, messbaren Qualitätsmerkmalen sowie Prozessen der kontinuierlichen Planung, Überwachung, Überprüfung und Anpassung. | |||